Vollständigkeit

Methodologie zur Analyse der Vollständigkeit von Nachhaltigkeitsberichten
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Die Vollständigkeit der Schweizer Nachhaltigkeitsberichte wurde mit der ‘Reporting Matters’-Methode des WBCSD (World Business Council for Sustainable Development) ermittelt, welche leicht an den schweizerischen Kontext angepasst wurde. Die Analyse wurde nach einer Schulung beim WBCSD durchgeführt.

Allgemeine Konzepte, welche die Nachhaltig-keitsberichterstattung leiten: Vollständigkeit, Wesentlichkeit, Einbezug von Stakeholdern, Unternehmensumfeld, Ausgewogenheit, Prägnanz.

Inhalt
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Informationen, die im Berichtsmaterial enthalten sein sollten: Nachhaltigkeits-Governance, Strategie und Treiber, Manage-mentansatz, Performance, strategische Partnerschaften, Ziele und Verpflichtungen sowie Aktivitätennachhweise.

Aufbereitung

Elemente, die das Gesamterlebnis des Berichts für die Leser verbessern: Zugäng-lichkeit, Botschaft sowie logische Ver-knüpfung.

Prinzipien

 

Vollständigkeit: Das Kriterium untersucht die Beschreibung des Berichtsumfangs, der Unternehmensgrenzen und der Wertschöpfungskette.

Wesentlichkeit: Das Kriterium fokussiert sich auf den Prozess der Erstellung der Wesentlichkeitsanalyse. Einerseits wird evaluiert, wie die wesentlichen Themen identifiziert wurden (bspw. In Zusammenarbeit mit Stakeholdern) und andererseits, wie die Ergebnisse verabschiedet (bspw. validiert durch den Verwaltungsrat oder die Geschäftsleitung) und offengelegt wurden (bspw. anhand einer Grafik/Matrix). Schliesslich wird untersucht, ob die Berichterstattung die Priorisierung der als wesentlich identifizierten Aspekte widerspiegelt.

Einbezug von Stakeholdern: Das Kriterium „Einbezug von Stakeholdern“ analysiert ob Stakeholdergruppen identifiziert wurden und ob das Unternehmen deren Anliegen offenlegt und wie es darauf eingeht. N.b. Letzteres wird im Rahmen der Glaubwürdigkeitsanalyse (siehe Kapitel II) noch genauer untersucht.

Unternehmensumfeld: Das Kriterium überprüft ob externe Trends (industriespezifische Trends, Megatrends, Gesetzgebung) im Berichtsmaterial erwähnt werden und ob das Unternehmen darauf reagiert.

Ausgewogenheit: Dieses Kriterium analysiert ob das Unternehmen selbstkritisch auftritt und auf eventuelle Herausforderungen, Leistungsdefizite, Bedenken von dritten Parteien oder negative/kritische Fälle eingeht. N.b. Die Glaubwürdigkeitsanalyse (siehe Kapitel II) evaluiert weiter die Beschreibung der Ursachen und der Konsequenzen bezüglich negativer/kritischen Fälle. Die dritte Teilanalyse (III. Relevanz der Nachhaltigkeitsprioritäten) untersucht, ob auf in Medien rapportierte Fälle eingegangen wird.

Prägnanz: Das Kriterium untersucht die Kompaktheit des Berichtsmaterials, dessen Verständlichkeit, sowie ob der Fokus auf die vom Unternehmen als wesentlich identifizierten Themen gelegt wird.

Bitte beachten: Während die ‘Reporting Matters’-Methodik auch das Prinzip der “Zuverlässigkeit” analysiert, hat die Schweizer Expertengruppe im Jahr 2015 beschlossen, dieses Prinzip nur zu Benchmarkzwecken zu analysieren (kein Scoring), um sicherzustellen, dass kleinere Unternehmen, die sich keine externe Sicherheit leisten können, keinen Nachteil haben. Siehe Ergebnisse zur externen prüfung (Assurance) in der Rubrik “Trends in der Berichterstattung”.

Inhalt

Nachhaltigkeits-Governance: Das Kriterium analysiert diverse Elemente der Nachhaltigkeits-Governance (bspw. die Offenlegung der Organisationsstruktur bezüglich Nachhaltigkeit, Verantwortlichkeiten bezüglich Nachhaltigkeit oder Nachhaltigkeits-Anreizsysteme für Führungskräfte)

Strategie und Treiber: Das Kriterium überprüft die Vision und den strategischen Ansatz bezüglich Nachhaltigkeit, sowie deren Integration in die Unternehmensstrategie.

Managementansatz: Das Kriterium analysiert die Berichterstattung über Managementsysteme (bspw. Richtlinien und Zertifikate) und deren Umsetzung in die operativen Tätigkeiten des Unternehmens.

Ziele und Verpflichtungen: Das Kriterium evaluiert die Ziele des Unternehmens. Das SMART-Konzept ist sowohl für dieses Kriterium wie auch für die Wirkungsanalyse der Glaubwürdigkeitsanalyse zentral.

 

Nachhaltigkeitsziel stimmt thematisch mit einem/mehreren vom Unternehmen gesetzten Schwerpunkt(e)n überein (Materialitätsmatrix).
Ziel ist quantifiziert (absolut oder relativ).
Zielrelevanter Massnahmen- bzw. Umsetzungsplan vorhanden.
– Ziel liegt in der Zukunft: Trend erkennbar und ausreichend für Zielerreichung, oder;

– Ziel liegt in der Vergangenheit und wurde erreicht.

Das Ziel ist zeitlich gebunden und

– Kurzfristig (< 2 Jahre)

– Mittelfristig (2-5 Jahre)

– Langfristig (> 5 Jahre)

ausgerichtet.

Performance: Das Kriterium analysiert die Fülle an Information zur Performance des Unternehmens zu dessen wesentlichen Aspekten (insb. das Vorhandensein von Key-Performance Indikatoren).

Strategische Partnerschaften: Das Kriterium untersucht die Berichterstattung zu nachhaltigkeitsrelevanten Partnerschaften und Kollaborationen.

Aktivitätennachweis: Das Kriterium analysiert ob Evidenz besteht, dass das Unternehmen wesentliche Aspekte durch Aktivitäten angegangen ist. Evidenz hierzu können beispielsweise die Erläuterung von Programmen oder Fallstudien sein.

Aufbereitung

 

Zugänglichkeit: Dieses Kriterium bewertet die Verfügbarkeit von Nachhaltigkeitsinhalt (bspw. wie leicht es fällt, diese auf der Homepage zu finden) und ob jener auf unterschiedliche Zielgruppen zugeschnitten ist.

Botschaft: Dieses Kriterium evaluiert die Vermittlung der Nachhaltigkeitsinformation (i.e. inwiefern das Unternehmen engagiert und motiviert auftritt oder evtl. ein Slogan oder eine übergreifende Botschaft bestehen).

Logische Verknüpfung und Navigation: Dieses Kriterium bewertet die Aufbereitung der Nachhaltigkeitsinformation (i.e. die Navigation durch den Bericht, Verweise und Verknüpfungen innerhalb des Berichts und zu weiterführenden Informationsquellen).

Anmerkung: Im Jahr 2015 entschied die Schweizer Expertengruppe, dass das im Rahmenwerk der Reporting Matters-Methodik analysierte Element “ansprechendes Design” in der Schweiz nicht analysiert werden sollte, um ein gewisses Risiko an subjektiven Designpräferenzen der Analysten zu vermeiden.